Mein Umstieg auf Mac: Die Gründe

Schon länger spielte ich mit dem Gedanken, auf einen Mac als Hauptrechner umzusteigen. Die Probleme mit Windows häuften sich zunehmend und schränkten mich mehr und mehr bei der Bedienung ein. Nun ist es endlich soweit und ein brandneues MacBook Air mit Apples M1-Chip findet bei mir bald ein neues Zuhause. Im ersten Teil der mehrteiligen Artikelserie „Mein Umstieg auf Mac“ möchte ich die Gründe für meine Entscheidung näher beleuchten.

Kurze Vorgeschichte

Als ich 2007 mit sieben Jahren eingeschult wurde, bekam ich leihweise einen Windows-XP-Rechner zur Verfügung gestellt. Auf diesem lief JAWS 4.51. Wie viele andere auch habe ich also ebenfalls mit JAWS angefangen, die unendlichen Weiten des PC-Universums zu entdecken. Die Zugänglichkeit von Windows XP im Zusammenspiel mit JAWS war großartig. Das ist allerdings nicht nur dem Screenreader selbst geschuldet, sondern auch dem anderen Aufbau des Betriebssystems. Während heutzutage beispielsweise durchweg verschachtelte Menübänder unzählige Optionen für das aktuell laufende Programm bereithalten, waren diese damals in einer klassischen Menüleiste untergebracht. Einmal die Alt-Taste gedrückt, konnte man ohne viel Aufwand durch die Optionen navigieren. Im Gegensatz dazu sind die modernen Menübänder der absolute Horror. Einmal die Alt-Taste gedrückt, ist nicht so recht ersichtlich, wie man nun in welche Region gelangt und sucht sich oft zu Tode, um eine banale Funktion aufzuspüren. Darüber hinaus treten seit einigen Jahren vermehrt grobe Fehler mit JAWS auf, die vor allem die Braille-Darstellung beeinträchtigen.

JAWS und die Probleme

Und da wären wir auch schon beim ersten Grund. In letzter Zeit muss ich immer öfter feststellen, dass Freedom Scientific es mit der Braille-Unterstützung wohl nicht mehr ganz so ernst nimmt. In JAWS 2018 hatte ich das Problem, das häufig Umlaute auf der Braillezeile nicht korrekt ausgegeben wurden. Aktuell gibt es außerdem häufig Probleme, in einigen Eingabefeldern den Cursor mit den Routingtasten zu verschieben. Drückt man eine Routingtaste auf der Braillezeile, blinkt der Cursor zwar an der entsprechenden Stelle. Schreibt man dann jedoch einen Buchstaben, wird dieser an einer ganz anderen Stelle eingefügt und die Einfügemarke verschiebt sich ebenfalls. Tritt dieses Problem auf, half nur ein manuelles Vergewaltigen der Pfeil links/rechts-Tasten, um den Cursor an die gewünschte Position zu verschieben.
Ein weiteres Problem tritt in neuen Dialogfenstern oder in den Windows-Einstellungen auf. Auf der Braillezeile lassen sich häufig nur die Optionen lesen, nicht jedoch der Dialogtext. Hier hilft auch kein JAWS Cursor, sondern ausschließlich der Touch Cursor. Dieser ist aber häufig so langsam, dass ein reibungsloser Arbeitsfluss nahezu unmöglich wird. Gerade in solch essenziellen Bereichen wie den Systemeinstellungen erwarte ich doch vollumfängliche Zugänglichkeit, vor allem wenn man bedenkt, dass JAWS von einem auf Hilfsmittel spezialisierten Unternehmen entwickelt wird.
Das letzte Problem, das ich hier kurz erläutern möchte, betrifft das inkonsistente Bedienkonzept. In Manchen Apps drücke ich ständig Tab, in anderen muss, um exakt das gleiche zu erreichen, etwas komplett anderes gedrückt werden. Die Navigation in Apps ist dadurch äußerst inkonsistent und häufig sehr verwirrend. Daneben merkt man sehr oft, dass JAWS mit neueren Apps und Features deutlich schlechter zurecht kommt, als mit altbewährten Lösungen. Die Systemsteuerung etwa ist mit dem klassischeren Aufbau deutlich zugänglicher als die modernen Windows-Einstellungen. Zusätzlich dazu stört mich immer wieder, dass kein klarer Aufbau des Bildschirms erkennbar wird. Man weiß eigentlich nie, wo man sich genau befindet, da es keinen klar definierten Anfang und kein klares Ende des Fensters gibt.

Windows und seine Undurchsichtigkeit

Nicht nur JAWS hat mir in den letzten Jahren den Spaß an Windows-Computern verdorben, auch Microsoft selbst trägt erheblich dazu bei. So kann sich Microsoft nicht von diversen Altlasten lösen, wodurch alles äußerst inkonsistent und inkonsequent umgesetzt wirkt. Wieso gibt es denn eine Systemsteuerung, in der die einen Einstellungen zu finden sind und die neuen Einstellungen, in denen andere Optionen untergebracht sind?
Möchte man einmal etwas umstellen, sei es nur etwas ganz Banales, sucht man sich dumm und dämlich und kommt ohne externe Hilfe à la Google nicht so recht weiter. Die Google-Suche ist zwar immer sehr aufschlussreich und die Ergebnisse bewirken auch zumeist den gewünschten Effekt, doch einen simplen Weg, um diese oder jene Einstellung zu ändern, gibt es schlichtweg nicht. Da muss einmal dies in das Ausführen-Fenster eingegeben werden, und einmal das. Diese Funktion gibt es nur in der Systemsteuerung und jene gibt es nur in der Registry oder in den neuen Einstellungen. Für mich wirkt Windows daher nur noch wie ein chaotisches Durcheinander, in dem man sich nur schwer zurechtfindet.

Nun versuche ich macOS

Für mich sind all diese Probleme ausschlaggebende Gründe, nach einer langen Zeit mit Windows mal ein anderes Betriebssystem auszuprobieren. Jahrelang arbeite ich bereits mit iOS und iPadOS (mit Tastatur) und komme mit dem Bedienkonzept sehr gut zurecht. Zudem habe ich schon an mehreren Macs in das Betriebssystem schnuppern können und fühlte mich immer deutlich wohler. Eine schöne Menüleiste, in der man alles schnell und einfach findet, eine aufgeräumte Benutzeroberfläche und ein durchweg konsistentes Bedienkonzept des Screenreaders. Jede App funktioniert wie bei iOS auf dieselbe Art und Weise. Einmal geöffnet, navigiert man durch den Bildschirm. In der Menüleiste findet man dann zusätzliche Optionen. Ich muss mich also nicht länger mit unterschiedlichen Bedienkonzepten und den Undurchsichtigkeiten von Windows herumschlagen, sondern bin sehr zuversichtlich, bald wieder deutlich produktiver mit meinem Computer arbeiten zu können. Ein Umstieg auf gerade diese Plattform ist daher für mich nur konsequent.

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