Meine Erfahrungen mit Android als blinde Nutzerin

Ich dachte immer: Niemals werde ich Android ausprobieren. Ich war immer abgeschreckt, da ich gehört habe, wie schlecht die Accessibility unter Android ist. Nun wurde mir vor etwas mehr als einem Jahr ein Tablet unter Android 7 gegeben, und ich habe die Gedanken aufgegeben, dass ich es niemals ausprobieren werde. In der Schublade rumliegen soll das Teil ja auch nicht. In diesem Artikel berichte ich über meine Erfahrungen mit Android und insbesondere TalkBack.

Schritt 1: Aktivierung von TalkBack

Das erste Auffällige bei Android ist schon die Aktivierung von TalkBack. Ich habe gehört, unter früheren Versionen ließ sich der Android-Screenreader einfach bei der Einrichtung aktivieren. Doch auch das war bereits schwieriger als bei VoiceOver unter iOS. Die Geste war schon damals sehr schwierig. Doch nun kommt der Hit an der ganzen Geschichte: Nun muss man die Android Accessibility Suite extra aus dem Google Play Store laden. Die Anwendung ist zwar kostenlos, aber dennoch braucht man jetzt für so eine banale Sache, nämlich dass das Ding mit einem spricht, eine sehende Hilfe. Hier hat eindeutig eine Verschlimmbesserung stattgefunden.

Performance von TalkBack

Ist TalkBack endlich aktiviert, stelle ich auf meinem Tablet fest, dass das Programm sehr viel Arbeitsspeicher frisst und dementsprechend sehr oft hakt. Ich kann mir natürlich vorstellen, dass TalkBack auf neuen Top-Smartphones und Tablets stabil läuft. Doch auch mein iPad 1 hat noch eine sehr gute Performance von VoiceOver, und dieses iPad ist wesentlich älter als das Android-Tablet.
Beim Tablet habe ich sehr oft das Gefühl, dass das Gerät öfter einfriert, fast bei jeder Aktion, die ich ausführe. Des weiteren ist Android längst nicht so übersichtlich wie iOS. Das kann ich jetzt aber wahrscheinlich nur behaupten, weil ich ziemlich verwöhnt bin, einfach dadurch, dass ich iOS als Hauptsystem gewöhnt bin.

Apps sind noch weniger barrierefrei als unter iOS

Unter Android haben die meisten Entwickler noch keine Accessibility in ihre Apps implementiert. Das ist natürlich sehr sehr schade, denn es gibt sehr viele experimentierfreudige Blinde, die auch mal Android ausprobieren wollen. Und zwar von sich aus. Standard-Dinge wie WhatsApp und auch die Google-Anwendungen laufen mit TalkBack, wenn ich aber zum Beispiel einfach nur gucken will, wann meine Straßenbahn fährt, hört es schon auf. Die Apps sind einfach nicht für TalkBack konzipiert, also das Programm liest teilweise überhaupt keine Elemente vor. Gut, das gibt es unter iOS auch, aber hier geben sich immer mehr Entwickler Mühe, Barrierefreiheit zu implementieren. Dass sich nach einem Jahr Android in diesem Bereich nichts geändert hat, ist ein echtes Armutszeugnis.

Fazit: Wie ist es um Android in meiner Gerätewelt bestellt?

Für einige Dinge mag Android sehr praktisch sein, zum Beispiel, wenn es eine App für Android gibt, aber nicht für iOS. Doch diese Apps, auf die ich unter iOs verzichten muss, sind auf dem Android-Tablet überhaupt nicht zugänglich. Tja, zum Hauptsystem wird Android für mich nie werden. Ich werde das Tablet als Zweitsystem behalten, aber sobald es möglich ist, werde ich es wieder zurückgeben. Die Performance ist einfach so stolpernd und es geht so schleppend voran. Ich brauche im Alltag ein System, was funktioniert und bei dem die Apps laufen. Wenn man mit Android schon nicht gucken kann, wann die Bahn fährt, dann ist das kein alltagstaugliches System. Also da muss ich wirklich sagen: Sorry Android, das war’s.

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